Das müssen wir nun doch erklären. Der Fons Affluens ist eine altehrwürdige Institution in Weldbrüggen, eine ausgedehnte Bibliothek, deren Chef in allen Streitsachen, die irgendwie mit Religion zu tun haben, die Prärogative hat. Das heißt: die streitenden Parteien müssen, bevor sie die Gerichte anrufen dürfen, sich erst an den Fons Affluens gewendet haben. Es gehört zum Komment des Ländchens, dass die Entscheidungen des Fons akzeptiert werden. Diese Konstruktion ist in den Staatsvertrag hineingeschrieben worden, als das Bundesland Wahlburg-Sonderbüren, dessen Hauptstadt Weldbrüggen ist, 1949 der neugegründeten Bundesrepublik Deutschland beitrat, will sagen, die Konstruktion ist Teil der Bundesverfassung. Die derzeitige Chefin des Fons ist Frau Professor Dr. Regina Austri, kein kleines Gewicht in Weldbrüggen, und was ursprünglich das Problem einer kleinen, überschaubaren Gruppe von Personen war, dass die nämlich Wesen sehen, wie sie von den meisten anderen Menschen nicht gesehen werden, nimmt in galoppierendem Tempo den Rang einer Staatsaktion an, und Regina Austri ist nicht bereit, die Sache aus dem Griff zu lassen. Sie ist übrigens eine Duzfreundin von Quirin von Weglenburg, was Ayla davor rettet, in die Psychiatrie überwiesen zu werden.
Was passiert der Reihe nach? Der Klappentext gibt uns einen Fingerzeig.
„Ayla schreibt auf, was während der Zeit ihres Verschwindens passiert ist. Diana quartiert sich ein in Quirins Häuschen, kümmert sich um Ayla. Jeremy ist immer noch verschwunden, jetzt ist auch Yannick unerreichbar, er scheint eine Spur von Jeremy zu haben. Quirin, Ayla und Diana fahren hoch zum Fons Affluens. Regina hat die Geheimdienstleute zu einer Konferenz einbestellt, sie bereden die Vorgänge um das Verschwinden Aylas. Quirin hat eine Theorie. Yannick stolpert über Jeremy. Quirin entscheidet, Ayla soll als seine Haushälterin bei ihm bleiben. In der Nacht sitzen Yannick und Jeremy an Quirins Küchentisch und erzählen, was sie erlebt haben. Sie reden von Burroblast und dem Azazel. Regina bringt Quirin und Ayla in die Gedenkstätte unter der Kathedrale. In tiefer Nacht sieht Ayla die Juden dort unten. Sie hört das unaufhörliche Gespräch, das heraufkommt aus dem Grund der Zeiten. Tage später führt Quirin Ayla in die Kathedrale selbst. Danach schlendern sie durch die nächtliche Stadt, und sie erzählen sich gegenseitig Dinge, die sie noch niemandem erzählt haben. Ayla versorgt Quirins Häuschen, sie beginnt, im Garten einen Teich anzulegen. Dabei redet sie mit den Besuchern. Ein Gewitter zieht sich zusammen.“
Die Situation wird zugegebenermaßen tumultuarisch. Bei dem Burroblast, von dem im Klappentext die Rede ist, handelt es sich um einen Kölner Sektenführer, der das Ende der Welt kommen sieht. Er hat durchaus die Absicht, diesem Ende nachzuhelfen, wenn es denn nicht freiwillig kommen will. Er meint zu wissen, dass Satan – der Azazel – der eigentliche Gott der Welt ist, die Juden hätten ihren Gott, der in Wahrheit bloß ein Dämon sei, in bewusster Lüge zum Schöpfer und Weltenherrscher erklärt. Die Juden müssten vernichtet werden, alle, Azazel müsse zur Ehre der Altäre erhoben werden. Es existiert die Prophezeiung, am Ort, da man die Toten aufrecht sitzen sieht in ihren Gräbern, werde das Mädchen auftreten, das die himmlischen Scharen zu sammeln imstande sei, sie dem Dienst am Azazel zuzuführen. In der Tat, der Bundenachrichtendienst ist an dem Burroblast dran, und übrigens auch der Mossad. Ayla wird unter Polizeischutz gestellt. Sie hatten alle gedacht, Quirin und die anderen, sie könnten die Sache unter der Decke halten. Noch schließen die Dienste die Reihen dicht, die Öffentlichkeit erfährt nichts.
Wenn die uns auf die Schliche kommen, sagt Qurin, sind wir erledigt, wir werden durch die Medien gejagt werden als die Irren, die Halluzinationen haben.
Der Fons, weit oben auf den Höhen über Weldbrüggen, erscheint zunehmend als rettender Hafen, wiewohl niemand wirklich weiß, was Regina denkt.
Nur das eine ist gewiss: die fremden Wesen, die Besucher, sie sind wirklich da, wir haben keine Halluzinationen, darin sind sich die Freunde einig.
Leider ist auch der Azazel keine Halluzination, sowohl Jeremy als auch Yannick haben die gewundene Schlange wirklich gesehen, im Büro des Burroblast, in diesem verwinkelten Altbau in Köln-Deutz, aus dem Jeremy nur durch nächtliche Flucht über die Dächer entkommen konnte.
Majestätisch und unaufhaltsam rückt die Weldbrüggener Kathedrale in den Mittelpunkt des Geschehens, Ayla hangelt sich nur noch von Stunde zu Stunde fort, sie hält sich an Quirin fest, und der alternde Schriftsteller denkt gar nicht daran, die Ereignisse einer zusammenfassenden Deutung zu unterziehen. Er gehört zur Weldbrüggener Aristokratie, die Familie ist bis in die Zeit der Kreuzzüge nachweisbar, er sieht die Dinge mit einer gewissen Abgeklärtheit.
Die Frage „warum wir?“ wird für die Freunde immer dringlicher, schließlich, warum soll eine kleine Gruppe von Menschen, die eigentlich nur das Eine gemeinsam haben, dass sie alle für den gleichen kleinen Verlag arbeiten, der keinen anderen Zweck hat, als die Werke Quirins zu veröffentlichen – warum sollen ausgerechnet sie damit geschlagen sein, diese mysteriösen Besucher zu sehen, diese Besucher, die ein so leidenschaftliches Interesse für Ayla entwickeln?
Die Erzählung des Zweiten Buches kulminiert in einem langen nächtlichen Spaziergang durch das sommerliche Weldbrüggen, mit seinen Brunnen und beleuchteten Straßencafés, da Ayla und Quirin sich gegenseitig allerhand Eröffnungen machen. Kein Grund, das hier auszubreiten.
Immerhin, die bibliographischen Details können mitgeteilt werden:
Weldbrüggen: Roman in drei Büchern. Zweites Buch: Fons Affluens. Schauernheim: Verlag Peter Flamm, 2. Auflage in drei Bänden, 2025 (1. Auflage in einem Band 2023). Kindle eBook: ISBN 978-3-946660-20-0, Paperback: ISBN 978-3-946660-21-7. Druckausgabe 484 Seiten. Erhältlich bei amazon und im Buchhandel.
Zu dem abschließenden dritten Band gibt es einen eigenen Beitrag hier.
(Peter Flamm, 04.04.25, kleinere Berichtigungen 09.02.2026. © Verlag Peter Flamm, 2025 und 2026)