Guillaume

Also wurde der Heuwagen aus der Remise gezogen.

(Links vom Wohnhaus, gebettet zwischen weitläufige Gärten und Baumgruppen, die Nebenbauten, Werke Vautrins.

Gewundene Wege durch’s Grüne, durch Obsthaine, durch Blumenrabatten, Gemüsebeete.-

Zwei langgestreckte Flachbauten, die Werkstätten bergend, die Ställe und die Remise. Dazwischen der Hühnerhof mit dem krakeelenden Hahn Robert. Weiter hinten, tief landeinwärts, fort vom Fluss, ein ziegelgemauertes Häuschen mit hoher Esse: die Schmiede; und zwischen gesprächigen alten Essigbäumen der Widerschein wunderlicher Gebilde, kugelförmig zusammengebogene Metallstreben empfahlen sich der Hut der Blätterfächer.

Noch ferner, hinter den Bäumen: Viehweiden, offene Wiesen.

Behaglich und wohlhabend, ja, das war Bernhards Anwesen.

Zu seinem Nutzen hatte der Uhrmacher verwendet das Vorhandene, hatte weitergebaut und dem neu erdachten Siedlungsriss eingepasst das Vorgefundene, dass es sich öffne den Bedürfnissen der Häusler, und doch seinen Platz bewahren könne. Tatkräftig hatten Bernhard und die Seinen ihr Haus, ihr eigenes Werk so gesetzt, dass es das Zentrum bildete, dem sich die überkommenen Werke Vautrins anzugliedern hatten, und nicht umgekehrt; und wohlgelungen und angemessen war das Ergebnis, siehe, solches konnten sie leisten, die Häusler und Sesshaften, mit Energie und Formungswillen.

Und aus dem rechten Anbau also, wo sich die Stallungen fanden und der Heuboden und die Remise, und dem die Häusler ein breites zweiflügeliges Tor eingebrochen hatten zum Hof hin, wurde der Heuwagen gezogen.)

Kein Gefährt, fand Aslan, dem man sich für eine lange Reise anvertrauen würde, doch für die Fahrt zur Silberstadt und wieder zurück mochte es auslangen: ein einfacher länglicher Leiterwagen, wackelig und knarrend schon in Achsen und Zuggeschirr; Eramir betrachtete ihn mit Unlust, Arbeit sah er auf sich zukommen, unerwünschte, und Roger lächelte.

Dann wurde das Pferd gebracht, Elvira führte es herbei, ein schwerer Ackergaul, der fast so stark und schütternd auftrat wie die Ochsen der Kaufleute; braun war das Fell, und über Hals und Kopf hing die dichte blonde Mähne, dass nicht auszumachen war, ob der Gaul überhaupt sehen konnte, wo er hintrat.

Guillaume riefen ihn die Häusler, und er war ein gutes und williges Tier, wenn auch nicht mehr jung; wie es bei Pferden gelegentlich vorkommt, machte er sich einen Spaß daraus, die Leute umzuwerfen, wenn sie ihn streichelten oder sonstwie günstig nahe an ihn herantraten, er drückte und schob ein bisschen, mit dem Kopf oder der mächtigen Seitenrundung, je nachdem, und schon lag der Zweibeiner auf dem Rücken, fluchend, und alle, die in der Nähe waren und es gesehen hatten, die lachten.

Ob Guillaume auch lachte, ließ sich nicht sagen, zu dicht war die blonde Mähne.

Jetzt also schirrten sie ihn ein, auf dem Hof neben Bernhards Holzhaus, und bereiteten den Wagen vor für die Reise zur Silberstadt; schnell war das abgemacht.

(Peter von Mundenheim, unveröffentlichtes Manuskript, dieser Ausschnitt veröffentlicht auf dieser Seite 09.03.2023, © Verlag Peter Flamm 2023)