Unbewohnt

Undeutlich erklang von draußen Inges Stimme, gedämpft, sie rief nach den Jungen, man konnte sie kaum hören, obwohl sie nur wenig entfernt war … so war das also, in den Städten verloren sich die Menschen … 

Die beiden Jungen tasteten sich eilig zurück, sie atmeten auf, als sie draußen die blaue Sommerluft traf, und die Wärme.

Sie schlugen sich durch die Büsche, und Aslan kam ihnen entgegen. „Warum lauft ihr denn fort?“ fragte er gereizt. „Ihr wisst doch, dass ihr das nicht sollt.“

„Ja“, sagte Waldemar, „aber wir wollten doch so gern die Häuser sehen …“

Aslan schüttelte den Kopf. „Dann müsst ihr warten, bis jemand von uns mitgeht“, sagte er und nahm sie beide bei der Hand, um sie zu den Wagen zurückzuführen. „Ihr seid noch zu klein, es ist zu gefährlich für euch.“

„Ja“, sagte Waldemar erneut, es stimmte ja auch, Aslan hatte immer recht in solchen Sachen …

Die anderen saßen auf den Wagen, Inge schaute neugierig, Waldemar wusste, sobald sie losfuhren, würde sie nach hinten und sich erzählen, was sie gesehen hatten, Inge liebte Geschichten aus den Städten, besonders wenn sie ein bisschen gruselig waren und von dunklen Räumen erzählten und von Treppen, die in’s Unbekannte führten …

„Also los“, sagte Aslan und hob erst Eluard, dann Waldemar hinten auf Rogers Wagen; dann ging er nach vorne, schwang sich auf seinen eigenen Kutschbock und trieb die Ochsen an.

Die Gespanne setzten sich in Bewegung, der Fahrweg führte quer über den Brückenplatz und mündete in die Uferstraße, wie vorher.

„Ob hier je einer wohnen wird?“ fragte Magdalen.

Aslan zuckte die Achseln, und von hinten antwortete Grand Mère: „So ist es Vautrins Wille …“

Ja, Vautrins Wille.

Mit tappenden Hufen verfolgten die Gespanne ihren Weg am Fluss, vorbei an dem Meer der Häuser, den gebüschbewohnten Straßen und den dunklen Hainen mit den rauschenden Wipfeln; und am Stadtrand fanden sie noch einmal die weiten Gelände der kleinen Häuser, die lichten, bunten Wälder.

Dann gelangten sie in’s Freie, in die sacht geschwungene Flussebene.

(Peter von Mundenheim, unveröffentlichtes Manuskript, dieser Ausschnitt veröffentlicht auf dieser Seite 29.12.2022, © Verlag Peter Flamm 2022)