Der weiße Mann

Ihr habt das gesagt, hundertfach tausendfach, ihr habt es gerade wiederholt. „Die“ weißen Männer sind die Täter, habt ihr gesagt. Ihr habt gewohnheitsmäßig einen jeden weißen Mann verurteilt, weil er ein weißer Mann ist — nebenbei, woran erkennt ihr eigentlich einen weißen Mann?

An seinem weißen Verhalten!

Nicht etwa an seiner weißen Haut?

Das möchtet ihr uns gerne unterstellen, aber darauf fallen wir nicht rein, wir wissen, was wir sagen, ein weißer Mann ist kenntlich durch sein weißes Männerverhalten, daran erkennen wir ihn, und an nichts sonst!

Jetzt wird die Sache klarer. Da gibt es also ein klar definiertes Verhalten, und zwar von euch klar definiert, und dieses Verhalten ist weißes Männerverhalten, und es ist zu verurteilendes Verhalten, und wenn einer dies Verhalten an den Tag legt, so ist er eben ein zu verurteilender weißer Mann.

Ja! Wenn er zum Beispiel andere ihrer Hautfarbe wegen verurteilt!

Dann ist das weißes Männerverhalten?

Ja!

Und wenn eine farbige Frau das tut?

Dann praktiziert sie eben weißes Männerverhalten, und das muss ihr bewusst gemacht werden! Das hat die dann irgendwo aufgeschnappt und weiß vielleicht gar nicht, was sie da tut!

Ihr wisst das dann aber.

Aber hallo!

Also stimmt, was wir sagen. Ihr wollt die Menschen zensieren und bevormunden, keiner soll sich mehr hinstellen dürfen und unbefangen sagen, was er sich denkt und wie er das sieht, jeder soll bei jedem Wort Angst haben müssen, dass ihr ihn zur Rede stellt. Und wenn euch nicht passt, was einer sagt, dann habt ihr ein Etikett. Weißes Männerverhalten zum Beispiel. Und weißes Männerverhalten ist dann alles, was euch gerade nicht passt. Was ihr nicht wollt.

Nicht wir! Unsere richtige Einsicht! Die lässt sich doch glasklar darlegen!

Ihr macht gerade dort weiter, wo ihr aufgehört habt. Es wird nicht damit enden, dass die Sache ausdiskutiert ist. Es wird damit enden, dass euch keiner mehr zuhört.

(Peter von Mundenheim, unveröffentlichtes Manuskript, dieser Ausschnitt veröffentlicht auf dieser Seite 20.08.2022, © Verlag Peter Flamm 2022)