Banshee Neue Folge 74

Nachricht von Ayse Konopski

Wenn PvM sich hinter eine Sache klemmt, dann meint der das auch so. Zwei Tage später kam eine Baufirma angerückt, Gartenbau Landschaftsbau wir kümmern uns um ihre Aussichten, stand auf dem Wagen. Irgendwo müssen da Sachen an mir vorbei gegangen sein, denn ich denk immer, wenn in der Erde gebuddelt wird, rücken vier Mann an. Es kam aber nur ein Mann, und der war ein Mädchen. Richtig ein Mädchen, mit Jungsschnitt und Piercings, und so wie die guckte, war die an meinen runden Sachen noch interessierter als der Nachbar. Jedenfalls, die sprang runter von dem kleinen Laster und fragte, ist das hier bei PvM, wo der Teich ausgehoben werden soll?

Die hatte hinten auf der Ladefläche einen Bagger, sowas hab ich noch nie gesehen. Spielzeuggröße. Ich meine, dass war bloß eine Maschine mit einem Greifarm, da konnte man sich nicht reinsetzen. Die Gärtnerin setzte sich aber trotzdem einen gelben Sicherheitshelm auf, richtig mit Kick, und sagte, dann wollen wir mal. Und sie zog sich auch noch Arbeitshandschuhe an und holte aus ihrer Fahrerkabine ein Dashboard raus, ging und guckte und machte unser Gartentor weit auf und spähte und ließ sich von mir genau zeigen, wo gegraben werden sollte, und sie hatte eine professionelle Zeichnung, mit genauen Abmessungen, das war nach meinen Vorlagen gearbeitet. PvM blieb unsichtbar, der saß an seinem Schreibtisch. Ich traute mich kaum, was zu sagen, so professionell hüpfte die Gärtnerin rum. Ist – ist das ein Ausbildungsberuf, was du da machst? brachte ich dann doch raus.

Es war einer von diesen leuchtenden sonnigen Morgen, wo man in ganz Weldbrüggen den Fluss riecht, und ich dachte, ich möchte die ganze Welt umarmen, die Stadt, die Kathedrale, sogar den alten Wasserturm, den man über den Wiesen weit im Westen sieht.

Ich bin Landschaftsgärtnerin, sagte die Gärtnerin und benutzte die ganze Zeit meine runden Sachen als optischen Anhaltspunkt. Klar, das hab ich gelernt. Und was machst du?

Ich, ich bin Haushälterin, sagte ich.

Ah, für den alten Mann, sagte die Gärtnerin. Beruf mit Zukunft. Alt werden wir alle, da geht die Arbeit nicht aus.

Und sie fing an zu plappern und baggerte an mir rum, dass ich einen roten Kopf bekam, dabei war sie doch gekommen, im Garten zu baggern, ich muss zugeben, irgendwie gefiel mir das, und ihr gefiel, dass ich mit großen Augen zuguckte, wie sie die Dinge regelte.

Sie fing damit an, den Garten nochmal auszumessen, ob das auch stimmte, was in den Vorlagen stand. Nix Maßband oder so. Sie visierte mit ihrem Dashboard eine Ecke an, einen Pfosten zum Beispiel, tippte ein bisschen, und dann piepste das Gerät und gab die Strecke an, und ich sah der Gärtnerin über die Schulter und hielt die Luft an.

Sowas von professionell, sagte ich.

Automatische Triangulation, sagte sie. Ich mach alles professionell, was ich anfange.

Und dann weckte sie, immer mit demselben Dashboard, den Bagger auf. Es gab eine Menge Geräusche, hydraulisches Schnaufen und Husten, dann hob sich ein Scherengestell unter dem Bagger und winkte nach hinten aus, und das Teil schwebte einen Augenblick über der Straße und wurde dann ganz sanft zu Boden gesenkt.

Da wären früher drei Arbeiter nötig gewesen, sagte ich atemlos.

Ich arbeite gern alleine im Garten, sagte sie. Ich weiß genau, wo ich graben muss.

Und sie tippte und drehte an ihren Knöpfen, und der kleine Bagger hob sich über den Bordstein, das hättet ihr sehen müssen, er stemmte die Schaufel vorne auf den Bürgersteig, dass sich die Maschine hob, und dann griffen die kleinen Raupen hoch, und schon war das Teil oben, so leicht, wie einer einen Kinderwagen über eine Schwelle schiebt.

Jetzt bitte etwas Abstand, sagte die Gärtnerin und ich weiß nicht, was sie eigentlich meinte, denn sie stand so dicht bei mir, dass ich durch ihr dünnes T-Shirt spürte, sie hatte nichts darunter an. Oh Mann, wie ich das gespürt hab.

Jedenfalls stellten wir uns ein bisschen beiseite, immer auf Tuchfühlung, und der kleine Bagger summte an uns vorbei in die südliche Ecke vom Vorgarten, wo der Teich hinsoll, und dann fing er an zu graben, und die Gärtnerin zupfte und drehte an ihren Knöpfen, und der kleine Bagger machte genau, was sie wollte, und um besseren Stand zu haben, lehnte die Gärtnerin sich gegen mich, oder ich gegen sie, also so genau weiß ich das nicht. In der Ecke standen ein paar alte Oleanderbüsche, die mussten jetzt dran glauben, tat mir zwar leid, aber wirklich gefallen hatten die mir nie, Oleander ist ja immer das, was gepflanzt wird, wenn einem nichts Besseres einfällt.

Und der kleine Bagger kurvte und schabte, und fräste zentimetergenau die Teichkurven in den Boden, genauso, wie ich mir das vorgestellt hatte, am hinteren Rand eine kleine Terrasse, die würde dann unter Wasser liegen, für das Schilf und die Frösche, und weiter nach vorne der richtig tiefe Bereich, wo die Fische dann runtertauchen können, im Winter. Und für einen Augenblick sah ich alles schon fertig vor mir, der Teich, der dunkle Spiegel, darin die Abendwolken, und Seerosenblätter schwimmend auf der Fläche, und ab und zu dieses kleine Geprickel, wenn die Wasserläufer tanzen auf dem glatten Glas.

Ich blickte auf, und da saßen sie wieder überall, die Besucher, und spähten sehnsüchtig zu mir rüber, und die Kleider der schönen Frauen wehten, und ich dachte an Diana, die sollte das jetzt sehen, Diana, wenn du uns das nächste Mal besuchst, musst du dir das ansehen, du wirst stolz sein auf mich, ich bin nicht bloß eine verwirrte Heulsuse, ich krieg die Dinge geregelt.

Das war’s, sagte die Gärtnerin, der Aushub bleibt hier?

Ja, sagte ich, den brauch ich hinten im Garten.

Und ich konnt gar nicht glauben, dass das so schnell gegangen war, dass das überhaupt so geklappt hatte, ich meine, vor zwei Tagen hab ich noch am Küchentisch gesessen und an den Zeichnungen rumgemacht und mir das alles ausgedacht, und jetzt passierte es einfach.

Die Gärtnerin brachte den Bagger wieder auf die Straße und hoch auf die Ladefläche von dem kleinen Lastwagen, und die Gärtnerin sah blitzsauber aus, und der kleine Bagger auch, gar nicht, als hätten sie mit Erde gearbeitet, versteht ihr, die Gärtnerin hatte ein weißes T-Shirt an, kein Fleck dran, also trotzdem war uns beiden ein bisschen heiß, der Gärtnerin und mir, jedenfalls hatten wir rote Köpfe.

Das hat Spaß gemacht mit dir, sagte die Gärtnerin, als sie sich hinter ihr Steuerrad klemmte, seh dich mal wieder. Viel Glück mit deinem Alten.

Und sie winkte mir nochmal zu und fuhr davon.

Möchte wissen, was mit mir los ist, das muss die warme feuchte Luft sein, vom Fluss her, und unter meinen nackten Füßen die weiche braune aufgeworfene Erde, jedenfalls, das hab ich jetzt gelernt, im Sommer soll man im Garten barfuß arbeiten, da sind Millionen Gräser und Blättchen und Schneckchen, die wollen alle an dir rumkitzeln.  

(Nachricht eingegangen am 03.07.2022, eingestellt auf dieser Seite von Peter Flamm am 04.07.2022, © Verlag Peter Flamm 2022)