Banshee Neue Folge 73

Nachricht von Ayse Konopski

Endlich hab ich mich mit PvM zusammengesetzt und ihm genau erklärt, wie ich mir das alles denke, und hab ihm meine Zeichnungen gezeigt und alles, und er hat sich das angeguckt und gesagt, das ist noch besser als der Teich, der Teich oben auf dem Fons, wir machen das so. Aber eine Bank will ich noch haben. Dass wir sitzen können und uns den Teich angucken.

Daran hatte ich nicht gedacht, wir könnten uns auch Stühle hinstellen, sagte ich, aber dann wurde mir klar, die brauchen ja auch einen festen Platz, und wenn man Stühle mal rausstellt im Frühjahr, dann bleiben die auch draußen.

Ich hatte auf meinen Zeichnungen den Teich so arrangiert, dass man ihn am besten von der Straße aus sehen konnte, wenn man am Gartenzaun stand, das ist aber unser Teich, sagte PvM, wir wollen den sehen. Ich argumentierte noch ein bisschen hin und her, weil ich wollte, dass er das nochmal sagt, „unser“ Teich, und nochmal und nochmal, und erst dann gab ich zu, dass er recht hatte, und ich behielt die Form bei für den Teich, legte ihn aber jetzt schräg in die Gartenecke, mit der Schauseite eher zum Haus hin, und das rauschende Schilf dicht am Gartenzaun, über Eck, zur Straße hin und zum Nachbargrundstück hin, geradezu als Sichtschutz. Das passte PvM natürlich besser rein, der gar nicht daran denkt, die Straße einzuladen, in seinen Vorgarten reinzugucken, und der Platz für die Bank war jetzt klar, unter den Fenstern rechts an der Hausecke.

Da können wir sitzen, sagte PvM, und haben das Geplätscher direkt vor unseren Füßen.

Ich hab nämlich vor, der Überlauf vom Filter soll über ein paar Steine sprudeln, die bilden eine richtige Treppe hinunter in den Teich, und ich weiß, mit der Zeit wird sich Moos dort absetzen auf den Steinen, dicke grüne Polster.

Oh Mann oh Mann oh Mann.

Wegen der Bank tat PvM geheimnisvoll, da kümmere ich mich drum, und zwei Tage später kam ein Wagen von der Stadt angerückt, stand richtig drauf, „Stadt Weldbrüggen – Liegenschaftsamt – öffentliche Anlagen“, zwei junge Kerle sprangen raus, das sollen wir hier abliefern, sagten die, und wuchteten eine hölzerne Bank raus aus dem Wagen und stellten sie ab in „unserem“ Vorgarten.

Leute, sowas habt ihr noch nicht gesehen. Die Bank war aus Omas Zeiten, oder aus Uromas, mit geschwungenem Sitz und geschwungenem Rücken, dicke grüne Holzleisten, und das Gestell und die Seitenlehnen aus Messing, das war vor Alter so blau wie der Fisch, den ich in der Nacht an dem Brunnen in Weldbrüggen gesehen hatte, und die Lehnen und die Füße waren auch geschwungen und verziert, ungefähr wie Weinlaub, ja, ungefähr so.

Ich guckte mir das an und mir blieb die Luft weg, ich brauch Farbe und Firnis, dachte ich, denn das Holz brauchte dringend eine Behandlung. PvM kam und rieb sich die Hände, das ist das Teil, sagte er, genauso hab ich mir das vorgestellt.

Stellte sich raus, die Stadt Weldbrüggen besitzt noch Dutzende von solchen alten Teilen, irgendwo im Depot gestapelt, und wenn ein Weldbrüggener sowas haben will, kriegt er das, das Teil bleibt aber Eigentum der Stadt, der „Nutznießer“ hat für pflegliche Behandlung zu sorgen.

Ich musste mich erst mal auf die Haustreppe setzen vor Lachen. Was für ein Nießer? fragte ich, und PvM erklärte, ein Nutznießer ist einer, der den Nießbrauch hat. Ich lachte so, dass ich keine Luft mehr bekam. Das hat nichts mit Nießen zu tun, versicherte PvM, sondern mit Genießen. Ein Nutznießer ist einer, der den Nutzen an einer Sache genießt, und der hat eben den Nießbrauch.

Ich kann mich nicht erinnern, überhaupt schon mal so gelacht zu haben. Dass ich mich nicht auf dem Boden gewälzt hab, war alles. PvM holte sein Taschentuch aus der Hosentasche und wischte sich die Augen und sagte, mit dir kann man nicht reden, und dann lachten wir beide, bis uns die Seiten weh taten.

Am Gartenzaun blieb der Nachbar stehen, der sich an meinen Möpsen nicht sattsehen kann, und hörte uns eine Weile beim Lachen zu und sagte dann, euch geht’s richtig gut, euch beiden, ja?

Absolut, sagten PvM und ich, wie aus einem Mund.

(Nachricht eingegangen am 02.07.2022, eingestellt auf dieser Seite von Peter Flamm am 03.07.2022, © Verlag Peter Flamm 2022)