Banshee Alte Folge 13

Nachricht von Sandra Zwischenwirt, vom 20.09.2021

Habt ihr gelesen, was PvM geschrieben hat? Dass die meisten Menschen von Grund auf böse sind? Das ist doch auch nicht recht. Glaubt der das wirklich? Ich weiß selber nicht, ob ich so ein großer Menschenfreund bin, ich hab meine eigenen Erlebnisse. Aber ich glaub nicht, dass die meisten Menschen böse sind. Ich glaub einfach nur, die sind dumm bis auf die Knochen. Strohdumm. Dumm wie Brot. Und sie können es nicht ertragen, wenn jemand anders ist als die Norm. Da gibt es nämlich Vorschriften. Normvorschriften! Die sagen genau, wie du zu sein hast, und ist einer anders, hat er die Meute am Hals. Ich hab schließlich mal in einer Schulklasse gesessen, ich weiß Bescheid. Okay, da gab es bösartige Gestalten, richtig bösartig, die haben sich dran gefreut, andere zu verletzen. Im Internet sind die auch zugange. Figuren, die ihren Hass austoben. Die einfach bloß zerstören wollen, beschädigen, kränken, verletzen, runtermachen. Die sind überall. Die Sorte ist überall. Ach, ich weiß nicht. Jetzt red ich schon wie PvM, und ich wollt ihm doch widersprechen.

Nachricht von Amy Buchmüller, vom 20.09.2021

Noch mal von vorne. PvM hat geschrieben, die meisten Menschen sind böse? Wo hat der das geschrieben?

Nachricht von Sandra Zwischenwirt, vom 20.09.2021

Auf seiner Website. Der hat eine, bin durch Zufall drüber gestolpert.

Nachricht von Peter Flamm, vom 20.09.2021

Das ist nicht seine Website, das ist die Website des Verlags. Okay, ich hab sie für PvM eingerichtet. Der sagt, es fallen so viele Schnipsel und Späne an bei seinem Großwerk, die kann er ebenso gut gleich veröffentlichen. Wenn ihr lesen wollt, was er schreibt: http://www.verlagpeterflamm.com.

Nachricht von Amy Buchmüller, vom 20.09.2021

Und das erzählst du so zwischen Tag und Dunkel? Das wollen wir doch wissen!

Nachricht von Sandra Zwischenwirt, vom 20.09.2021

Moment mal, ist das nur für PvM, oder dürfen wir da auch ran? He! Ich hab auch was zu sagen! Ich will auch!

Nachricht von Amy Buchmüller, vom 20.09.2021

Ich auch! Aber hallo!

Nachricht von Peter Flamm, vom 20.09.2021

Hab nichts dagegen. Aber ihr müsst euch benehmen. Das ist nicht wie auf dieser Plattform, wo ihr alles rauslassen könnt. Administratorenrechte kriegt ihr nicht. Ich will vorher sehen, was ihr schreibt.

Nachricht von Amy Buchmüller, vom 20.09.2021

Zensur!

Nachricht von Peter Flamm, vom 20.09.2021

Aber feste. Die Website ist im Übrigen neu. Ich bin noch am Basteln. Aber die Adresse steht. http://www.verlagpeterflamm.com

Nachricht von Balbutin Hindrance, vom 21.09.2021

I have sent money. Ich, I am not a bad man, I am not a bad father, please don’t think that, I – ich schick Geld. Für Diana, für die Kinder. Diana, I’m so sorry. Ich kann nicht reden. They are watching me. Ich schicke Geld. Kommt noch mehr. Ich weiß was ist mit Diana. Ich hab alles gelesen. Ich les alles was ihr schreibt.

Nachricht von Diana Hindrance, vom 21.09.2021

BALBUTIN! WO BIST DU????

Nachricht von Sandra Zwischenwirt, vom 21.09.2021

Sorry Diana sorry Balbutin, wirklich, aber ich muss was loswerden, ihr müsst mir helfen, ich glaub, ich verlier den Verstand. Jetzt sagt bloß nicht, ich hab sowieso nicht viel. Bitte. Ich brauch Hilfe. Ich hab Angst. Solche Angst hab ich noch nie in meinem Leben gehabt.

Manchmal mach ich Sport. Ich geh mit ein paar Mädels Squash spielen. Wir waren in der Halle, wir haben unsere Bälle geschmettert, und dann hab ich pinkeln müssen. Bin also zur Befreiungshalle gegangen. Treppe runter, da unten war’s ganz dunkel, ich hab erst den Lichtschalter nicht gefunden. Und dann die Toiletten. Gekachelter Raum, ihr könnt euch das vorstellen, graue Kacheln, keine Fenster, nur oben an der Wand diese vergitterten Lüftungsschlitze. Und die Kabinen, also die Kabinen standen nicht gegen die Wände, sondern mitten im Raum, Rücken an Rücken, drei nach einer Seite, drei nach der anderen, so dass man im Kreis drum rum gehen konnt. Habt ihr das verstanden? Komische Anordnung, hatt ich noch nie gesehen. Und die Kabinen selber, wie üblich. Dünne Trennwände, nicht bis runter zum Boden, so dass man die Füße sehen kann, wenn einer drin ist. War ganz still, alles ganz leer. Ich hab mir also eine Kabine ausgesucht, das heißt, ausgesucht hab ich mir gar nichts, ich bin einfach in eine reingegangen. Hab von innen abgeschlossen, wie ein anständiges Mädchen das macht, und dann hab ich mich hingesetzt, wie ein anständiges Mädchen das macht. Und dann

Ich kann das nicht erklären, ich kann es einfach nicht. Ihr müsst verstehen, ich war da ganz allein, und es war ganz still. Es war wirklich alles still, ich hab sogar das Summen von den Leuchtröhren gehört. Und plötzlich hab ich gewusst, ich bin nicht allein. Die sind da. Ringsum in den leeren Kabinen, da sind die. Da sind die und lauschen auf mich. Ich hab das gewusst, das war keine Einbildung, ich hab das gewusst, so wie du weißt, da sitzt einer im Bus neben dir. Ich war in dieser verdammten Kabine eingesperrt, und überall ringsum waren die, und haben die Ohren gespitzt, verdammt, die haben doch sowieso schon spitze Ohren! Und die haben keinen Mucks gegeben, keinen Laut, die waren überall in den Kabinen und haben gewartet, was ich mach. Ich musst ja atmen, und ich hatt das Höschen um die Knöchel, und ich wollt nicht, dass die irgendwas von mir hören, und auf einmal war ich eingefroren, richtig schockgefrostet, ich wusst auf einmal, auf keinen Fall darf ich irgendein Geräusch machen, denn das würden die sofort hören, und dann

Und dann. Ja was? Ich hab keine Ahnung, was dann. Ich hab da gesessen auf dieser kalten Brille und bin gestorben vor Angst. Scheibenweise. Ihr müsst mir das glauben, ich hab mir das nicht eingebildet, die waren wirklich da. Und ich hab das Summen von den Röhren gehört und dann ganz ganz fern irgendwelche Stimmen, die Mädels in der Umkleide, und plötzlich hab ich gewusst, und das war so furchtbar, so endgültig, und plötzlich hab ich gewusst, die Stimmen von den Mädels da, die gehören zu einer anderen Welt, und die Welt ist draußen, und ich bin hier drin, ich werd nie wieder rüberkommen in diese andere Welt, wo die Mädels sind, da ist eine Mauer, und ich bin auf dieser Seite der Mauer, wo nur die sind, die ganz still sitzen und drauf lauschen, was ich jetzt mache. Einfach lauschen tun die und warten, was macht die jetzt. Sonst nichts. Das ist jetzt meine Welt. Ich sitze ganz allein und eingesperrt in dieser Kabine und ringsum ist diese gespitzte Aufmerksamkeit, dieses Warten, was macht die als Nächstes.

Ich hab angefangen zu heulen. Gott im Himmel, ich hab in dieser scheiß Kabine gesessen, und mir sind die dicken Tränen an der Nase runtergerollt. Ich hab an Gott gedacht und gerufen, hol mich hier raus, aber das war nur innerlich, ich hab keinen Ton von mir gegeben.

Und endlich bin ich einfach aufgestanden und hab mir die Hosen wieder hochgezogen, und das war so seltsam, ich hatte das nicht vor, aufzustehen, ich saß da und hatte gar nichts vor, ich saß einfach da und heulte. Und plötzlich stand ich auf den Beinen, ich hab das selber erst gemerkt, als es passiert war, und ich hab gar nichts gefühlt dabei, gar nichts. Und dann bin ich einfach rausgegangen und hab mir im Vorraum die Hände gewaschen, und die ganze Zeit hab ich dabei in den Spiegel geguckt, um zu sehen, was in meinem Rücken passiert. Ich konnte im Spiegel die Kabinen sehen, und ich hab die ganze Zeit drauf gewartet, dass eine von den Türen aufgeht.

Diana, es tut mir so leid, dass ich jetzt so reinplatze in das, was da zwischen dir und Balbutin abläuft. Ich weiß ja, dass das wichtig ist. Ich weiß das ja. Es geht um eure Familie. Da gibt es Kinder, ich weiß das ja.

Aber die Wahrheit ist, ich bin gestorben da unten in dieser Scheißkabine. Ich bin wieder hoch gegangen und bin dann heim, und in mir ist alles wie Holz. Ich lebe nicht mehr. Ich bin tot.

Ihr müsst mir helfen.

Nachricht von Diana Hindrance, vom 22.09.2021

Sandra, Schätzchen, du hast eine Panikattacke gehabt. Das ist die Hölle, aber da kommst du wieder drüber weg. Dieses Gefühl, als wärst du innerlich aus Holz, das ist Selbstschutz. Die Angst, die quillt aus dir selber raus, die ist so stark und so überwältigend, dass du die erlebst, als käm sie von außen. Die kommt aber nicht von außen, die kommt aus dir selber raus. Um dich zu schützen, fühlst du gar nichts mehr. Du fängst an zu funktionieren, so wie du es geschildert hast. Auf einmal bewegst du dich und machst Sachen, als hättest du nichts damit zu tun. Das gibt sich wieder. Deine Gefühle kommen wieder zurück. Du musst dich einfach gut warm halten und viel schlafen, Aufregungen vermeiden, schöne Filme angucken. Mach nichts, was dich aufregt, dann kommt alles wieder ins Lot.

Nachricht von Sandra Zwischenwirt, vom 22.09.2021

Diana, ich schäm mich so, dass ich immer auf dir rumhacke. Ich bin eben so, ist stärker als ich. Danke, dass du dir so Gedanken machst um mich. Bloß, ich — okay, ich bin fast umgekommen vor Angst. Aber da war wirklich was. Ich war nicht allein da unten in diesem Loch. In den Kabinen nebenan, da war was. Ich hab das gespürt. Du spürst das doch auch, wenn noch jemand in der Wohnung ist. Wenn du nicht alleine bist. Genauso war das. Die waren da. Und die Angst kam nicht aus mir selber raus, die kam von draußen. Die kam über mich. Die hat sich auf mich draufgesetzt. Die hat plötzlich auf meinen Schultern gesessen und mich runtergedrückt. Ich muss bloß daran denken, und schon gehts wieder los, und ich krieg kaum noch Luft. Was soll ich denn jetzt machen? Ich sitz in meiner Wohnung und hab Angst vor den Türen, weil ich immer überleg, was ist da jetzt dahinter, was ist jetzt hinter dieser Tür? Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll.

Nachricht von Amy Buchmüller, vom 23.09.2021

Sandra, du musst wieder auf den Teppich kommen. Wir haben schon einen Ernstfall gehabt in der Gruppe, das war Ayse, noch so einen Ausfall können wir uns nicht leisten, du musst wieder zu dir kommen.

Nachricht von Ayse Konopski, vom 23.09.2021

Danke, ihr seid so gut zu mir. Ausfall. Das bin ich also.

Nachricht von Amy Buchmüller, vom 23.09.2021

So hab ich das nicht gemeint. Das war blöd von mir. Ich wollt bloß sagen, wir müssen uns alle zusammenreißen. Das ist die Gefahr, ich meine, wenn eine von uns abstürzt, werden wir anderen alle vielleicht mitgerissen, das hab ich gemeint.

Nachricht von Peter Flamm, vom 23.09.2021

Ihr redet vielleicht von verschiedenen Sachen. Es kann doch beides stimmen. Sandra hat eine Panikattacke gehabt, und sie war wirklich nicht allein. Nehmen wir an, die haben sie wirklich belauert, und das hat in ihr diese Angstzustände hervorgerufen, dann bleibt ja als Frage, wie reagieren wir auf die. Ich sag mal, ein anderer als Sandra hätte unter den gleichen Umständen vielleicht einfach die Hosen runtergelassen und ungerührt gepinkelt, ohne sich umzugucken. Das heißt also, auch wenn die wirklich da sind, ist es immer noch unsere Sache, wie wir darauf reagieren. Es ist ja nicht so, dass wir denen wehrlos ausgeliefert wären. Klar, die machen uns Angst. Der bloße Anblick macht uns Angst. Und diese endlos langen Blicke, diese unverwandten Blicke. Wie die uns angucken! Aber können die uns was tun? Wollen die uns was tun? Sieht nicht so aus. Die sind da, und uns geht die Welt aus den Fugen, weil die da sind. Wir sehen die, und um uns herum sind Menschen, die sehen die nicht, und wir können nicht darüber reden. Es ist plötzlich, als ob nichts mehr stimmt. Der Boden schwankt uns unter den Füßen, und wenn wir einen schlechten Tag haben, dann reagieren wir wie Sandra, vor Angst wissen wir nicht mehr ein noch aus. Aber grad so gut könnten wir doch sagen, also gut, sind die eben da, sehen wir die eben, geschenkt, wir haben zu tun, gehen wir zur Tagesordnung über. Sollen die sitzen wo sie wollen und uns beobachten, wir haben noch was anderes zu tun. Könnten wir doch sagen, oder?

Nachricht von Ayse Konopski, vom 24.09.2021

Könnten wir nicht. Das ist doch Scheiße, was du da erzählst. Ich hab doch schon gesagt, die sind da, und dass die da sind, das bedeutet, die Welt ist nicht so, wie es uns immer eingeredet worden ist. Egal, wer die sind, wir wissen jetzt, da draußen sind Wesen unterwegs, die passen nicht ins Bild. Da drauf sind wir nicht vorbereitet worden. Wieso hat uns niemand darauf vorbereitet? Was ist mir nicht alles beigebracht worden! Aber niemand ist gekommen und hat mir gesagt, kleine Ayse, pass auf, da draußen sind Wesen, die können die meisten Menschen nicht sehen, aber du siehst die und ein paar andere Leute auch noch, und diese Wesen sehen dich an mit langen traurigen Blicken, und die wollen was von dir, und du musst rauskriegen, was das ist, das die wollen! Nein, da war niemand, der mir das gesagt hätte, aber das hätte mir doch gesagt werden müssen, das wär doch das Allerwichtigste gewesen, dass mir das einer gesagt hätte! Ich war doch in der Schule, wie ihr alle, was haben die mich da vollgelabert! Von der Umwelt haben wir gehört, und von der Gier der Aktionäre, und wie der Kapitalismus den Planeten zerstört, und wie gegen die Benachteiligung der Frau gekämpft werden muss, und jeder anständige Mensch ist gegen Diskriminierung und für Vielfalt und gegen Fremdenfeindlichkeit sowieso, mit dem ganzen gnadenlosen Scheiß haben die uns von Morgen bis Abend die Hucke vollgelabert, aber von dem, worauf es wirklich ankommt, von all den unsichtbaren Wesen und was passiert, wenn die plötzlich sichtbar werden, davon haben die uns kein Wort gesagt, und jetzt sitz ich hier in Weldbrüggen, und niemand hat mich vorbereitet, niemand hat mich vorgewarnt, da sind fremde Wesen um die Wege, und was fang ich jetzt mit denen an? Die sind in der Welt, und ich kann die sehen, und die Welt ist plötzlich viel größer, als ich das je gedacht hatte, und die Welt ist plötzlich so anders, so verdammt anders, es geschehen Dinge, die ich nicht einordnen kann. Die meisten Menschen können diese Wesen nicht sehen, aber wie viele Wesen gibt es dann noch, die auch wir nicht sehen können? Die wir nicht sehen können, und die sind trotzdem in der Welt? Ich weiß nicht mehr, was das bedeutet, Welt. Welt! Früher waren das die Straßen da draußen und die Menschen auf den Straßen und in den Häusern. Und jetzt? Ich verstehe nichts mehr. Vielleicht sind all diese fremden Wesen, ob wir sie nun sehen können oder nicht, viel wichtiger als die Menschen. Und selbst wenn sie nicht wichtiger sind als wir, sie sind auf jeden Fall da, selbst die Füchse und die Katzen sehen sie, und wenn sie da sind, dann bedeutet das auch was, aber was? Gott weiß irgendwas, Gott denkt sich was bei all dem, aber der verdammte alte Arsch redet ja nicht zu uns, der hüllt sich in Schweigen, und da draußen stimmt nichts mehr, nichts, die Leute gehen ihrer Arbeit nach, und mitten unter ihnen spielen sich Dinge ab, die sehen die nicht, aber diese unsichtbaren Dinge sind vielleicht die eigentlichen Dinge, um die sich die Welt dreht! Wenn es stimmt, was Diana sagt, und da sind unter uns verstoßene Engel zugange, dann gibt es auch Engel, die gehen im Himmel aus und ein, und womöglich Wesen, die wollen die Hölle für uns, und dann gibt es Himmel und Hölle, es ist doch alles möglich! Wie sollen wir damit zurecht kommen?

Nachricht von Sandra Zwischenwirt, vom 25.09.2021

Und Peter, überhaupt, was soll das heißen, die wollen uns nichts tun? Oder die können uns nichts tun? Es reicht doch, dass die da sind und uns verängstigen! Die sind, wo wir hingehen! Hängen da rum und starren uns an! Als wollten sie uns einen Vorwurf machen! Als wären wir an irgendwas schuld! Wir haben aber doch nichts getan! Was, wenn die nun so lange hinter uns her sind, bis wir die Lust am Leben verlieren? Vielleicht ist das die Absicht? Die folgen uns einfach so lange und sind da und drängen sich auf, bis wir nicht mehr ein noch aus wissen! Wir gucken nachts aus dem Fenster, wie Ayse, und da hängen sie ab auf der dunklen Straße und starren zu unserem Fenster hoch! Da kannst du doch nicht sagen, die tun uns nichts!

Nachricht von Peter Flamm, vom 25.09.2021

Sandra, was du da erzählst, erinnert mich an an die ganz gewöhnliche Beschreibung von ganz gewöhnlichen Mitmenschen. Sind da, wo wir auch hingehen, hängen rum und starren uns an. Machen uns Vorwürfe wegen jedem Kram. Sagen, dass wir schuld sind. Sind so lange hinter uns her, bis wir die Lust am Leben verlieren. Folgen uns und sind da und drängen sich auf. Und vor allem, egal wo wir hinkommen, die sind schon da. Egal, in welches Zimmer wir eintreten, die sind schon da und sitzen schon, und wir müssen uns unseren Platz erst suchen. Und vor allem starren sie uns an. Wo wir auch gehen und stehen, die sind da und starren uns an. Klar nervt das. Das nervt sogar tierisch. Aber wir müssen damit leben, oder?

Nachricht von Ayse Konopski, vom 26.09.2021

He, Peter, ist das wieder dein alter Sarkasmus? Tut so gut, dem mal wieder zu begegnen. Hallo, Sarkasmus! Oder sagt man schwarzer Humor? Oder Galgenhumor? Als ich noch in der Schule war, da hab ich mir lange Listen angelegt, mit neuen Wörtern, und die hab ich auswendig gelernt, das zahlt sich jetzt aus. Aber das hab ich von mir aus gemacht, in der Schule haben sie das uns auch nicht beigebracht. Haben die uns in der Schule überhaupt irgendetwas beigebracht, was Wert hat? Was du da gesagt hast, über die Zimmer, in die wir reinkommen und alle sitzen schon, das erinnert mich auch an die Schule. Ich war immer die Kopftuchmaus, und alle haben gestarrt, ob man was sieht unter dem Kopftuch. Die haben mir immer ins Gesicht gestarrt, ob man was sieht in meinem Gesicht. Und was hab ich gemacht? Ich hab die Augen niedergeschlagen, wie es sich für ein braves türkisches Mädchen gehört. Da hab ich aber doch gewaltig Fortschritte gemacht seither, oder? Damals hab ich die Augen niedergeschlagen unter dem Kopftuch, und heute geh ich mitten in der Nacht nackt raus auf die Straße und seh den Wesen gerade ins Gesicht, die dort rumlungern. Wenn das mal keine Entwicklung ist!

Nachricht von Amy Buchmüller, vom 26.09.2021

PvM, im Ernst, du musst jetzt was sagen, wir wissen nicht mehr weiter. Hör auf, dich mit deiner neuen Website zu beschäftigen oder mit deinem Klavier oder was du sonst noch machst. Wir brauchen dich! Kriegst du das mit?

Nachricht von Peter von Mundenheim, vom 27.09.2021

Doch, ich krieg das mit, ich müsst aber zuerst mal wissen, was mit Balbutin ist. Diana, er hat doch geschrieben, er schickt dir Geld. Hat er das gemacht?

Nachricht von Diana Hindrance, vom 27.09.2021

Ja. Er hat so viel geschickt, dass es für ein paar Monate reicht, für mich und die Kinder. Ich weiß nicht, woher er so viel Geld hat. Sein Betrieb hat ihm gekündigt, ich hab das Einschreiben bekommen, er hat auch bei denen nichts von sich hören lassen, und jetzt ist denen die Geduld ausgegangen. Das Geld ist von einem Konto gekommen, das auf seinen Namen läuft, und ich hab bei der Bank angerufen, aber die haben mit nicht gesagt, wo er das Konto eröffnet hat, die wissen das, natürlich wissen die das, aber sie haben es mir einfach nicht gesagt, das dürfen wir nicht, war die Ansage. Ich versteh nicht, was er redet. Sie beobachten ihn? Und er weiß, was mit mir ist? Und er kann nicht reden? Und er liest alles, was wir hier schreiben? Verliert er vielleicht den Verstand? Bin ich da dran schuld?

(Nachrichten vom 20. bis 27.09.2021, neu eingestellt auf dieser Seite am 04.05.2022 von Peter Flamm, © Verlag Peter Flamm 2022)