Banshee Neue Folge 1

Nachricht von Sandra Zwischenwirt

Das ist übergriffig. Die haben also mitgelesen, ja? Und dann einfach hingelangt und unterdrückt, was ihnen nicht passt?

Nachricht von Peter Flamm

Es war offenbar eine Maschine, die auf bestimmte Stichwörter eingestellt ist. Vollautomatisch. Sollen wir uns bevormunden und zensieren lassen?

Nachricht von Sandra Zwischenwirt

Ja, aber was hat der Amerikaner denn geschrieben?

Nachricht von Peter Flamm

Das war sein abschließender Bericht, es wird euch ja aufgefallen sein, dass da was gefehlt hat. Er hatte zuletzt berichtet, dass er auf dem Kölner Bahnhof auf einen Güterwagen aufgesprungen ist, einen Autotransporter, und er ist einfach eingestiegen in einen der Wagen und hat sich auf den Rücksitz gelegt und gewartet, was passiert, irgendwann ist der Zug auch angefahren, okay, ich setz euch seine Nachricht noch einmal her:

„Geschlafen, war wach, wieder geschlafen. Manchmal ich hab getraut, kurz aus Fenster gucken. Wälder Berge. Dunkel die Wälder. Wurde aber hell. Kein Regen mehr. Ich gedacht an Diana, an die Juden. Was rausgelassen Burroblast. Das also Ziel. Das der geheime Kern. Darum geht es. Juden müssen weg. Alle in Meer. Die Juden werden bestraft, dann neue Welt. Ich gewusst, die sind böse, Burroblast, die ganze Blase. Jetzt ich hab den Beweis. Sie wollen haben weg die Juden. Alle. Das ihr Ziel ihr Programm. Damit sie wollen machen Anhänger. Sie beten an Satan. Das sind Nazis.

Ich gefroren, mit Zähne geklappert. Hab gebetet, und Zug gefahren und gefahren, endlich Sonne. Ich gesehen, ungefähr, fährt nach Westen, immer nach Westen. Gut, ich gedacht. Im Westen ist Weldbrüggen. Ich gedacht, erste Station der hält, ich draußen. Ich steig einfach aus, wie ich bin eingestiegen, geh schnell weg.

Aber Zug nicht hat gehalten. Wurde Nachmittag, und Zug immer noch nicht Halt. Ich gedacht an Galgenvater. Haben gemerkt, ich weg. Zu spät. Ihr kriegt mich nicht mehr.

Und endlich, doch Halt. Kein Bahnhof, auch nicht freight depot. Ich geguckt. Stand Wagon auf Brücke, über Fluss. Brücke nur für Eisenbahn. Egal. Ich raus. Sonne schon tief. Fluss unten. Ich Schienen. Zug wieder gefahren. Langer Zug, endlos. Dann Brücke leer, alles still. Hab gehört Vögel. Niemand mich gesehen. Auch nicht Fahrer, in train. Glaub ich. Ich runter von Brücke, embankment, ganz steil, Büsche Bäume, und unten endlich Straße, kleine Straße, und dann schon Häuser, ich Tasche auf Rücken, da war Wirtshaus, und Schild, Stella Artois, also ich gewusst, ich in Belgium.

Ich nicht nur in Belgium, ich in Liège. Hab genommen gleichen Weg wie Peter, später, Köln Aachen Lüttich. Kam zu Industriegebiet, da waren truckers. Ich gleich, ich hitch-hiker, ich Weldbrüggen, und sie: Ah, américain, eh? Und ich: Missionary. Und ich gezeigt meine Bibel. Waren begeistert, ich pommes frites gegessen an Bude, dann mich einer mitgenommen bis Bastogne, war zwei Uhr morgens wir kommen an, war kalt, Stadt leer und still, ich gesessen in Bahnhof. Ich dreckig. Von da an, ich weiß nicht mehr richtig. Ich wieder Imbissbude, ich so froh über eure Union, überall gleiches Geld! Und dann mich gestellt an Straße. Wieder Laster. Immer bis nächstes Dorf. Auch mal ich hab genommen Bus. Dann wieder Bahn. Und immer gefragt, Weldbrüggen. Haben immer gezeigt, gradaus.

Irgendwann Grenze, ich nicht gemerkt, war ich in Wahlburg-Sonderbüren. War dann spät am Abend, ich kam an, in Weldbrüggen. Bin raus, sofort, wo PvM wohnt. Hab schon von weitem gesehen. Dunkle Straße. Und unter Laternen, die Besucher. Riesige Schar. Also. Ayse kann sich nicht verstecken. Egal wo sie ist, du siehst Besucher. Haus friedlich. Licht. Ich hatt so Hunger, und ich hätt gern gehabt Bett. Ich mich gesetzt zwischen die Besucher, die haben mich nicht beachtet. Und so ich verbracht Nacht, manchmal ich hab geschlafen, manchmal ich war wach. Am Morgen ich hab genommen erste Bus in Stadt, bin rüber nach Montbel, hab Zimmer gemietet. Schlechtes Zimmer. Aber anders nicht für mich, so wie ich aussah. Ich geschlafen, mich ein bisschen sauber gemacht. Am Abend wieder raus zu PvM, so jeden Tag.

Kann kurz machen. Ihr wisst ja schon alles. Kam der Abend, da stand Ayse vor dem Haus, war weiß, ganz weiß, wie Tropfe Milch in der Nacht. Und dann sie mitgegangen. Mit den Besuchern. Ich gesehen. Sie freiwillig. Die haben sie nicht gezogen. Ich mit, ich hinterher. Sie nicht gesehen mich. Und dann ich hab gehört rufen PvM, der kam aus Haus, uns hinterher, aber wir waren schon zu weit weg. Ist dann alles passiert, wie Ayse hat erzählt. Ich war immer in der Nähe, zwei Nächte zwei Tage, manchmal ich hab gefunden Wasserhahn, an Hütte, da ich hab wenigstens getrunken. Und Ayse war nackt, und war da immerfort dieses Leuchten, und die Besucher um sie rum, Tanz Kreisel. Ich nur gedacht, ich muss aufpassen. Wenn gekommen falsche Leute, ich hätt verteidigt Ayse, mit Blut. Aber ist niemand gekommen, und Ayse nie gemerkt, dass ich da. Einmal ich hab kurz gehabt Verbindung Handy, da ich Nachricht gegeben, don‘t worry she‘s well, oder so. Ich war so müde, ich immer gedacht, ich kann nicht mehr. Hab doch gemacht weiter. Hatt nichts zu essen, kein Platz zu schlafen. Und immer die Besucher um Ayse, ich hab gesehen, das war worship, die haben sie angeschaut, einfach nur angeschaut, hypnotized. Am zweiten Tag endlich, ich gesehen, Ayse kann nicht mehr. Sie zurück zum Haus, da war schon dunkel. Hat nicht mehr geschafft, über die Wiesen. Ich sie getragen, bis unter Fenster von Küche. Da waren die Katzen, ich ihnen gewinkt, und die haben verstanden, das ist wirklich wahr, die ins Haus und Alarm PvM. Ich mich versteckt im Gebüsch und gesehen, PvM bringt Ayse ins Haus, ich wollt bloß noch schlafen. Nicht einmal essen. Bloß noch schlafen.

Und alles andere wisst ihr schon.“

Das war die abschließende Nachricht von Balbutin.

(Nachrichten eingegangen in dieser Reihenfolge am 21.04.2022, eingestellt auf dieser Seite von Peter Flamm, © Verlag Peter Flamm 22. 04.2022)