Resümee

Ich rede nicht von Resümieren. Ihr werdet verstanden haben, das Resümieren, was die Lage des Menschtiers anbelangt auf dem Planeten Erde, das ist gar nicht möglich. Ein Resümee setzt eine Abgeschlossenheit voraus, aber nichts an dem Menschtier ist abgeschlossen, nicht bis zum Tage seines Todes, das Urteil dann aber wird gesprochen vor IHREM Thron, dort sitzt SIE als Richterin, und fällt das Urteil, das hat jedes Menschtier über sich schon selber gesprochen. Ich will damit sagen, in jedem fortschreitenden Augenblick wandelt sich das Begreifen des Menschtieres, es begreift sich selber anders mit jedem Augenblick, begreift sein Geschick anders, und das Begreifen jeden Augenblicks wird mit dem Voranschreiten des Geschicks selbst wieder Geschick, alles Verstehen und Erkennen ist selbst wieder Movens des tätigen Lebens, treibt das Leben weiter, und indem das Leben weiterschreitet, hat kein Verstehen Bestand, das Verstehen von gestern trieb das Leben ins Heute weiter, im Heute aber versteht das Leben sich anders als gestern, so geht das immerfort weiter, das Leben aber lebt auf jeden Fall, verstanden oder unverstanden, und ist es in heller Verwirrung, das Leben, es lebt dennoch, das Verstehen redet dazwischen, wär meistens besser, das Leben hörte nicht hin, sondern beschränkte sich aufs Leben. Wär überhaupt am besten gewesen, und vielleicht immer schon und von vornherein am besten, das Menschtier hätte gelebt, und nicht dabei auf sein Verstehen gehört, sondern einzig auf IHRE Stimme. Was es gewöhnlich tut, das Menschtier, ist das Gegenteil, gierig lauscht es auf die Einflüsterungen seines eigenen Verstehens, und tut das Wispern IHRER Stimme ab als ärgerlich.

(Peter von Mundenheim, unveröffentlichtes Manuskript, diese Passage veröffentlicht hier 17.12.2021, © Verlag Peter Flamm 2021)