Glück

In einem Wesen, in jedem Wesen, das IHREM Willen gehorsamt, wachsen von selber Dankbarkeit und Glück. Diese seltenen Momente des Glücks! der Junge war so dankbar dafür, wenn sie sich ereigneten. Immerfort kamen sie aus dem Nichts, sie kamen, wenn er sich ihrer Ankunft am wenigsten versah. Plötzlich wurde ihm, als könne er sich nicht fassen vor Glück, als müsse er jauchzen, als müsse er sich selbst umarmen in unbegreiflicher Freude. Es geschah ihm einmal, da wanderte er in finsterer Frühe durch einen Tunnel unter dem Bahnhofsgelände dem kalten und widrigen Ort eines verhassten Jobs entgegen, müde und traurig und hilflos. Und plötzlich, irgendwo über ihm in der Ortlosigkeit, eine Schütte kippte sich um und übergoss ihn mit Schwällen von Jubel und Glück, es war ein Überfall, und er lachte, allein in diesem kahlen und nassen Gang mit den toten Ratten und den kalten Glühbirnen und den unverkleideten Stromleitungen an den Wänden, in diesem Gang ohne Ende tanzte und lachte er vor Glück und wusste nicht, warum. Diese Überfälle der Freude, sie sind das wahre Gelingen. Dem Menschtier widerfährt nichts Besseres. Nichts Besseres als diese Gewissheit, dass SIE da ist, dass SIE wohnt im Herzen aller Dinge, und dass es unter IHREM Blick keine Vergeblichkeit gibt, sondern nur Gelingen, nichts als Gelingen.

Tu das Richtige, erfülle IHREN Willen, gehorche IHRER Stimme. Und wanderst du auch im finsteren Tal, es trifft dich kein Unglück, denn SIE ist bei dir.

(Peter von Mundenheim, entnommen einem unveröffentlichten Manuskript. Dieser Ausschnitt hier veröffentlicht am 29.10.2021, © Verlag Peter Flamm 2021)